Der Naziladen Dickkoepp zieht aus

Die Eröffnung des Szenebekleidungsgeschäftes für Nazis „East-Coast-Corner“ inmitten der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt im Juni 2007 konnte nur als Provokation angesehen werden.
Die Hamburger Nazis Thorsten de Vries und Torben Klebe versuchten einen Teil der Naziideologie in das Zentrum Rostocks zu tragen. Und dies in einem Viertel, in dem vorwiegend Studierende wohnen und das eher als „Alternativ“ geprägt gilt.
Ein Laden, in welchem politisch klar zuzuordnende Bekleidung gekauft werden kann, erfüllt immer mehr als nur den Selbstzweck des reinen Gelderwerbes. Vielmehr soll mit einem solchen Geschäft ein politisches Statement erfolgen und ein Versuch gestartet werden, wie weit die Akzeptanz für solche Projekte reicht.
Das nach aussen getragene Statement der Nazis war deutlich: wir zeigen uns auch in einem für Rostocker Verhältnisse als „Szenekiez“ bekannten Stadtteil und können hier hoffentlich weitestgehend ungestört unsere Geschäfte machen und Propaganda verbreiten.
Das Mietobjekt wurde gleich einige Monate nach Einzug des Ladens vom NPD-Landtagsabgeordneten der Birger Lüssow als Bürgerbüro benutzt. Daran zeigte sich, dass das Geschäft natürlich auch für politische Arbeit benutzt werden sollte und organisatorische Strukturen aufwies. Bald wurde der Laden in „Dickkoepp“ umbenannt.

Oft fielen die Personen, die sich in dem Laden befanden, damit auf, vorbeigehende Passanten anzupöbeln oder zu provozieren. Die Heterogenität des Stadtviertels sollte gestört werden und wer nicht in das Feindbild der Nazis passte, wurde zumindest verbal angegriffen.
Proteste blieben nicht aus: es gab einige Monate nach der Eröffnung des Ladens Flashmobs, Demonstrationen, einige direkte Angriffe.
Die Lage des Ladens war so offensichtlich als Provokation gedacht, dass das Geschäft selbst bundesweit bekannt wurde, was wohl auch an der Anzahl von Protesten und den hitzigen Debatten liegen mag.
Andere Geschäfte, die sich oft in Vorstädten etablieren oder zumindest nicht in „Szenekiezen“ liegen mögen, erfahren nicht annähernd so viel öffentliche Beachtung. Trotzdem stellen solche Geschäfte ebenso einen Raum für menschenverachtende Ideologie dar, wie es der „Dickkoepp“ tat.
Es mag als gewisser Erfolg gewertet werden, dass der Naziladen nun endlich zumacht.
So ist in einschlägigen Foren von „Kapitulation in der Frontstadt“ zu lesen, also der Aufgabe aufgrund der „widrigen Verhältnisse“.

Das offensichtliche Problem derartiger Geschäfte besteht darin, dass sie nach einigen anfänglichen Berichten und gegebenenfalls Diskussionen oft aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden, weil es eben nicht zu solch anhaltenden Protesten kommt.
Leider bleiben diese Geschäfte nur solange im Fokus der Öffentlichkeit, wie sie auch „Stories“ erzeugen. Ziel aber sollte es sein, solche Geschäfte, die ja auch ein Einfallstor für rechten Lifestyle bieten, dauerhaft zu fokussieren, damit sie nicht zu dem „Bild“ eines Stadtviertels gehören.

In anderen Stadtteilen ist es erheblich schwieriger, über einen langen Zeitraum Öffentlichkeit zu produzieren. Vermutlich sind dort solche Geschäfte sogar anerkannt und nur noch eine „weitere Aussenstelle“ der ohnehin aktiveren Naziszene. So zum Beispiel der Laden „Haugésund“ in Dierkow, der ebenfalls Bekleidung der Nazi-Marke „Thor Steinar“ anbietet.
Sollte es gelingen auch solche Geschäfte in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und sich auf die neue Situation einzustellen wäre einiges erreicht.
Keine Geschäfte mit Nazis, nicht in Rostock und nirgendwo sonst!